Bio-Baumwolle: Die umweltfreundlichere Wahl.

Baumwolle
Baumwolle gehört zu den wichtigsten Fasern in der Textilindustrie. Schätzungsweise besteht die Hälfte aller Textilien weltweit aus Baumwolle. Allerdings ist der Baumwollanbau mit zahlreichen negativen Umweltauswirkungen verbunden. Eine Umstellung auf ökologischere Produktionsmethoden könnte enorm viel bewirken und die Textilindustrie nachhaltig verändern.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich Baumwolle auf der ganzen Welt verbreitet und wird inzwischen in über 100 Ländern angebaut. Heute gilt Baumwolle als unverzichtbarer Rohstoff für die Textilindustrie. Die Nachfrage steigt weiterhin an. Zu den größten Produzenten gehören Indien und China, welche einen Großteil der weltweiten Baumwolle produzieren. Insgesamt sind weltweit mehrere Millionen Menschen im Baumwollanbau tätig, von denen der Großteil in Entwicklungs- und Schwellenländern lebt. Damit stellt Baumwolle in vielen Entwicklungsländern ein wichtiges Wirtschaftsgut dar. Millionen Menschen sind direkt oder indirekt von der Baumwollindustrie abhängig.

Allerdings sind die Lebens- und Arbeitsbedingungen der in der Baumwollproduktion tätigen Landwirte und Arbeiter oftmals problematisch. Der Großteil der Baumwollproduzenten sind Kleinbauern, welche meist nur wenige Hektar bewirtschaften. Ihre Erträge reichen oftmals nicht aus, um ihre Familien zu ernähren, während in der Textilindustrie gleichzeitig Milliarden mit Baumwolle umgesetzt werden.

Daher werden wir uns in diesem Blogbeitrag genauer mit Bio-Baumwolle als Alternative zu konventioneller Baumwolle beschäftigen und erörtern, welche positiven Auswirkungen diese sowohl auf die Umwelt als auch auf die Landwirte hat.

Umweltauswirkungen konventioneller Baumwolle:

Der konventionelle Baumwollanbau hat erhebliche negative Auswirkungen auf die Umwelt. Der Einsatz von Pestiziden und chemischen Düngemitteln belastet Böden und Gewässer und gefährdet die Gesundheit von Menschen und Ökosystemen. Zudem ist der Wasserverbrauch im Baumwollanbau enorm hoch und trägt zur Wasserknappheit in vielen Anbaugebieten bei.

Konventionelle Baumwolle

Baumwolle gehört zu den Pflanzen, welche am stärksten mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Die Bekämpfung von Schädlingen mit Pestiziden hat einen enormen Umfang angenommen. Der Baumwollanbau ist für 10-20 % des weltweiten Pestizideinsatzes verantwortlich und das, obwohl Baumwolle nur etwa 2,5 % der weltweiten Agrarflächen ausmacht (Utopia 2021). Der hohe Einsatz von Pestiziden und chemischen Düngemitteln gefährdet die Biodiversität und schädigt Böden und Gewässer. Zusätzlich stellt der Einsatz von Pestiziden ein hohes gesundheitliches Risiko für Landwirte und Arbeiter in der Baumwollindustrie, aber auch für die umliegende Bevölkerung dar. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass jährlich mehrere Tausende Menschen in der Baumwollindustrie an Pestizidvergiftungen sterben oder die Vergiftungen schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben.

Zusätzlich wird beim Anbau von Baumwolle verhältnismäßig viel Wasser benötigt. Insbesondere konventionell angebaute Baumwolle ist sehr wasserintensiv. Um die Baumwollfelder ausreichend mit Wasser zu versorgen, wird meist die Oberflächenbewässerung genutzt, wobei jedoch ein Großteil des Wassers ungenutzt verdunstet, sodass dieses Bewässerungssystem als weniger geeignet angesehen werden kann. Zu den ökologischen Folgen dieser Bewässerung zählt neben der Versalzung und Erosion der Böden auch das Aufbrauchen der Wasserreserven.

Eine nachhaltigere und effizientere Möglichkeit stellt die Tröpfchen- und Furchenbewässerung dar, welche oftmals in der ökologischen Landwirtschaft genutzt wird. Neben dem Aufbrauchen der Wasserreserven und der Verschlechterung der Wasserqualität führt der Baumwollanbau auch dazu, dass sich die Bodenqualität erheblich verschlechtert. Der Großteil der Baumwolle wird auf etablierten Feldern angebaut. Die Erschöpfung dieser Baumwollfelder führt jedoch zur Expansion und damit verbunden zur Zerstörung weiterer Lebensräume.

Ein weiteres Problem stellt die Nutzung gentechnisch veränderten Saatguts dar, welches bei konventionell angebauter Baumwolle einen großen Teil ausmacht. Durch die gentechnischen Veränderungen der Baumwollpflanzen sollen diese vor bestimmten Schädlingen geschützt und widerstandsfähiger gegenüber bestimmten Umweltbedingungen gemacht werden. Teilweise jedoch nur mit bedingtem Erfolg, da inzwischen andere Schädlinge diese Lücke schließen konnten. Problematisch ist zudem, dass sich die Ausbreitung dieser gentechnisch veränderten Baumwollpflanzen räumlich nicht eingrenzen lässt. Durch die Verbreitung werden die veränderten Gene auf andere Baumwollpflanzen übertragen, was dazu führt, dass immer mehr ursprüngliche Baumwollarten verloren gehen.

Baumwollpflanzen, welche aus gentechnisch verändertem Saatgut stammen sind unfruchtbar, was bedeutet, dass die Landwirte jedes Jahr neues Saatgut kaufen müssen. Dieses ist sehr teuer, sodass die Landwirte oftmals Kredite aufnehmen müssen. Bei Ernteausfällen führt dies schnell dazu, dass sich die Landwirte verschulden. Insgesamt geht die Nutzung gentechnisch veränderter Baumwollpflanzen mit vielen Risiken einher, wie dem Verlust der genetischen Vielfalt, der unkontrollierten Ausbreitung und der Bildung von Resistenzen gegenüber Schädlingen, aber auch der zunehmenden Abhängigkeit der Landwirte von den Saatgutherstellern.

Bio-Baumwolle:

Bio-Baumwolle stellt eine Alternative zu konventioneller Baumwolle dar und bietet zahlreiche Vorteile für die Umwelt, aber auch für die Landwirte. Die positiven Auswirkungen sind enorm, wenn man sich auf einen natürlicheren und nachhaltigeren Anbau von Baumwolle besinnt.

Derzeit stammt etwa 1 % der weltweit angebauten Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau. Allerdings steigt der Anbau von Bio-Baumwolle seit einigen Jahren stetig an, sodass zuletzt bereits fast 350.000 Tonnen Bio-Baumwollfasern jährlich produziert werden konnten. Allerdings produzieren nur wenige der Länder, welche Baumwolle produzieren auch Bio-Baumwolle. Fast die gesamte weltweit produzierte Bio-Baumwolle stammt aus lediglich acht Ländern. Die meiste Bio-Baumwolle wird in Indien produziert. (Textile Exchange 2022)

Inzwischen gibt es eine rasant steigende Nachfrage nach Bio-Baumwolle. Dies ermutigt auch bisher nicht ökologisch wirtschaftende Landwirte auf die ökologische Landwirtschaft umzusteigen und zukünftig Bio-Baumwolle zu produzieren. Daher ist davon auszugehen, dass die Produktion von Bio-Baumwolle auch weiterhin steigen wird.

Im Gegensatz zur konventionellen Baumwolle werden bei der Produktion von Bio-Baumwolle keine Pestizide oder chemischen Düngemittel eingesetzt. Auch der Einsatz von genmanipuliertem Saatgut ist verboten. Stattdessen beruht der Anbau von Bio-Baumwolle auf natürlichen und biologischen Methoden wie Fruchtfolge, Kompostierung und biologischer Schädlingsbekämpfung. Durch den Verzicht auf schädliche Chemikalien und den Einsatz natürlicher Anbaumethoden wird der ökologische Fußabdruck erheblich reduziert. Dies führt zu gesünderen Böden und Gewässern sowie einer geringeren Belastung der Umwelt. Landwirte profitieren von besseren Arbeitsbedingungen, da sie nicht den giftigen Pestiziden ausgesetzt sind, was sich wiederum positiv auf ihre Gesundheit auswirkt.

Beim Anbau von Bio-Baumwolle gelangen keine Pestizide oder chemische Düngemittel in den Boden oder angrenzende Gewässer. Stattdessen werden natürliche und ökologische Mittel eingesetzt, die weder Boden noch Grundwasser belasten. Das bedeutet, dass das verwendete Wasser nicht als verlorenes Wasser betrachtet wird, da es wiederverwendet und in den Wasserkreislauf zurückgeführt werden kann ohne Schaden anzurichten. Zudem werden beim Anbau von Bio-Baumwolle häufig nachhaltige Bewässerungssysteme eingesetzt. In Anbauprojekten lernen Landwirte, wie sie mit Tröpfchen- und Furchenbewässerung effizient mit Wasser umgehen können. Zusätzlich können ökologisch bewirtschaftete Böden mehr Feuchtigkeit speichern, sodass das Einsparpotenzial an Wasser beim Anbau von Bio-Baumwolle enorm ist.

Die natürlichen Anbaumethoden, welche beim Anbau von Bio-Baumwolle eingesetzt werden, fördern auf natürliche Weise die Bodengesundheit und -fruchtbarkeit und somit langfristig auch die Artenvielfalt. Viele Landwirte, welche Bio-Baumwolle anbauen, nutzen Wechselwirtschaft, um die Zahl der Schädlinge geringzuhalten. Zusätzlich werden zwischen den Baumwollpflanzen auch andere Pflanzen ausgebracht, welche für die Schädlinge noch attraktiver sind, sodass die Baumwollpflanzen nicht befallen werden.  Gleichzeitig sorgt der Verzicht von Pestiziden dafür, dass die natürlichen Feinde der Schädlinge überleben und somit bei der Schädlingsbekämpfung helfen.

Bio-Baumwolle schützt jedoch nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesundheit der Landwirte. Der Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden verringert das Risiko von gesundheitlichen Problemen und Krankheiten, denen Landwirte und Arbeiter in der Baumwollindustrie ausgesetzt sind. Zudem wird Bio-Baumwolle häufig unter fairen Bedingungen angebaut, was bedeutet, dass den Landwirten gerechte Preise für ihre Baumwolle gezahlt werden und sie von besseren Arbeitsbedingungen profitieren. Das trägt zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen von Landwirten in Entwicklungsländern bei.

Allerdings ist es trotz des wachsenden Marktes für die Landwirte nicht immer einfach, auf den ökologischen Anbau von Bio-Baumwolle umzusteigen. Während das System der ökologischen Landwirtschaft langfristig viele Vorteile mit sich bringt, stellt die Umstellungsphase eine enorme Belastung dar, welche die Landwirte alleine tragen müssen. Zudem können sich die Regeln der ökologischen Landwirtschaft für die Landwirte zunächst restriktiv anfühlen. 

Die Vorteile von Bio-Baumwolle verglichen mit konventioneller Baumwolle:

Umweltauswirkungen von Bio-Baumwolle verglichen mit konventioneller Baumwolle

(Quelle: Stanley/Stella (2021): Unser Weg zur Nachhaltigkeit: 12.)

Zertifizierungen:

Es gibt zwei Arten von Zertifizierungen für Bio-Baumwolle: Die Zertifizierung auf Betriebsebene und die Zertifizierung der Lieferkette. Bei der Zertifizierung auf Betriebsebene wird geprüft, ob sich die Landwirte an die strengen Vorgaben halten. Dazu werden diese regelmäßig überprüft und müssen entsprechend nachweisen, dass sie die Biostandards einhalten. Bei der Zertifizierung der Lieferkette wird die Baumwolle entlang der gesamten Lieferkette verfolgt und somit sichergestellt, dass entsprechende Biostandards eingehalten werden und das Endprodukt aus Bio-Baumwolle besteht.

Zertifizierungen wie der Global Textile Standard stellen sicher, dass Bio-Baumwolle nach strengen ökologischen und sozialen Kriterien produziert wird. Der Global Textile Standard ist eine weltweit führende Zertifizierungsorganisation für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern. Er stützt sich auf ökologische und soziale Kriterien. Eine Zertifizierung mit dem Global Textile Standard stellt sicher, dass die Baumwolle biologisch und ohne Einsatz von genetisch modifizierten Samen und schädlichen Chemikalien angebaut wird. Die Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe wird vom ersten Verarbeitungsschritt bis zu den Endkunden durch Transaktionszertifikate sichergestellt.

Global Textile Standard: GOTS-Siegel

Fazit:

Bio-Baumwolle spielt eine wichtige Rolle auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Modeindustrie, denn sie stellt eine umweltfreundliche Alternative zur konventionell produzierten Baumwolle dar. Ihr Einsatz reduziert die negativen Umweltauswirkungen des konventionellen Baumwollanbaus, schützt die Gesundheit der Landwirte und Arbeiter in der Baumwollproduktion und fördert soziale Standards.

Indem wir bewusste Kaufentscheidungen treffen und nachhaltige Mode unterstützen, können wir dazu beitragen, eine grünere Zukunft zu gestalten. Die Modeindustrie hat das Potenzial, positive Veränderungen zu bewirken – Dabei kann die Verwendung von Bio-Baumwolle eine wichtige Rolle spielen.

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